Nabucco
Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) | no license
Donnerstag 30. April 2026
19:30 Uhr
Großes Haus (Staatstheater Cottbus) | Cottbus
Dramma lirico in vier Teilen von Giuseppe Verdi
Libretto von Temistocle Solera
Als Giuseppe Verdi nach einem vernichtenden Misserfolg seiner zweiten Oper schwor, nie wieder eine Note zu schreiben, ahnte er noch nicht, dass sein nächstes Werk in die Operngeschichte eingehen würde. NABUCCO wurde 1842 zum Triumph und machte Verdi über Nacht zum gefeierten Komponisten. Die Oper entführt in eines der einschneidendsten Kapitel der Menschheitsgeschichte: das babylonische Exil. König Nebukadnezar eroberte 586 v. Chr. das Königreich Juda, zerstörte den Jerusalemer Tempel und verschleppte ein ganzes Volk in die Fremde. Psalm 137 bringt die Zerrissenheit der Exilierten auf erschütternde Weise zum Ausdruck: „An den Strömen Babels saßen wir und weinten. Wie sollen wir singen des Ewigen Lied auf fremder Erde?“ Verdi hat dieser Frage eine Melodie gegeben. Der berühmte Gefangenenchor „Va pensiero“ ist heute das populärste Stück der Oper und nimmt in Italien den Rang einer inoffiziellen Nationalhymne ein.
Der Regisseur Armin Petras verlegt das antike Drama in die sibirische Stadt Norilsk und erhebt damit einer der weltweit kältesten und schmutzigsten Städte zum Schauplatz. Als Gulag-Lager gegründet und in vollkommener Abgeschlossenheit zum Rest Russlands gelegen, spiegelt sie die Situation des Exils auf beklemmende Weise. Heute leben dort die Nachfahren von Inhaftierten und Wärtern in einer Gemeinschaft, was mit dem versöhnlichen Ende der Oper korrespondiert. Von den Strömen des Babels ins sibirische Eis: NABUCCO erzählt vom Leiden und Hoffen eines antiken Volkes und bewahrt zugleich seine Aktualität, weil die Sehnsucht nach Heimat und Hoffnung zeitlos ist.