openart Lausitz Biennale

Foto: Friederike Kalz
Foto: Friederike KalzCC BY-NC-ND
Samstag 22. August 2026
11:00 Uhr
Lauchhammer Lauchhammer | Lauchhammer
Die historischen Bauten, die in der Blütezeit Lauchhammers in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren errichtet wurden, sind in die Jahre gekommen. Bevor sie umfassend saniert werden, können Künstler:innen ihre Erfahrungen und Vorstellungen von der bereits im Gange befindlichen Transformation der Lausitz sowie ihre Träume und Wünsche in Bezug auf die Zukunft derselben in einem der Wohnblöcke zum Ausdruck bringen. Für die Lausitz Biennale wird einer der leerstehenden Wohnblocks erstmals wieder geöffnet und als temporärer Raum künstlerisch bespielt, in dem Fragen nach Verlust, Erinnerung und Zukunft neu verhandelt werden. Christian Hasuchas Arbeit „m i t t l e r w e i l e“ bespielt die rund 50 Meter lange Fassade eines leerstehenden Gebäudes. Abends und nachts werden die Buchstaben durch Lichtprojektionen sichtbar. So die Wienerin Claudia Pilsl, die gemeinsam mit Bewohner:innen heimische Pflanzen sammelt, die sie dann mit einer kameralosen Fotografie direkt auf Stoff/Papier bannt. Das Künstlerinnenduo Matrosenhunde realisiert mit „Noch ist nichts verloren“ eine interaktive Installation, die das Gebäude in ein begehbares Buch verwandelt. Großformatige Stoffbahnen, die aus Fenstern und von Balkonen hängen, tragen Zeichnungen und Textfragmente aus Gesprächen mit Bewohner:innen. In ihrem Projekt „Spurlos verschwunden“ verweben Frida Teller und Marie Kublik Texte von DDR-Autorinnen mit Stimmen der Gegenwart. Drei Schreibwerkstätten für die Besucher:innen werden durch zwei Stick-Workshops ergänzt, in denen Verse und persönliche Aussagen auf Stoff übertragen werden. Anke Hannemanns Installation „VERITAS“ verbindet eine modifizierte Nähmaschine des VEB Nähmaschinen Wittenberge mit einer historischen Hochzeitsfotografie ihrer Urgroßeltern in sorbischer Tracht. Die Maschine näht mit vergoldeter Nadel unaufhörlich im Rückwärtsgang – ein Sinnbild für den Versuch, Vergangenes festzuhalten, ohne es tatsächlich zurückholen zu können. Im Zentrum von Anja Nürnbergs großformatigen Kohlestiftzeichnungen „Ikarus 280.3 – Niederlausitzer Stimmen“ steht der Gelenkbus Ikarus 280.3 – einst ein prägendes Element des Alltags in der DDR. Die Arbeiten verdichten Erinnerungen an überfüllte Busfahrten, den Geruch von Diesel und Kohlestaub sowie soziale Dynamiken („Schlenki“ und „Schlipsbus“) zu einem atmosphärischen Bildraum. Louisa Frauenheim entwickelt eine Sound-Boden-Installation mit dröhnenden Presslufthammern in einem ehemaligen Wartebereich einer Bushaltestelle. Die Videoarbeit „Letzte Kumpel“ von Johannes Weilandt porträtiert vier ehemalige Bergleute aus dem Mansfelder Land. Ein begleitendes Gesprächsformat lädt das Publikum zur direkten Auseinandersetzung mit den Themen ein.